Florian Schreckenbach
Feb 10, 2014

Was einen guten Arbeitgeber ausmacht: Interview zum neuen Arbeitgeber-Gütesiegel von TÜV Rheinland

Arne Spiegelhoff ist Projektleiter bei TÜV Rheinland und in dieser Funktion verantwortlich fArne Spiegelhoffür die Entwicklung und Vermarktung des TÜV Rheinland Arbeitgebersiegels „Ausgezeichneter Arbeitgeber“. Vor seiner Zeit beim TÜV war er 5 Jahre als Unternehmensberater tätig.

 

Im Interview ist Arne Spiegelhoff, Projektleiter New Business & Projects, von TÜV Rheinland.

 

Florian: TÜV Rheinland startet ein neues Arbeitgeber-Gütesiegel. Welche Relevanz hat Eurer Einschätzung nach ein Arbeitgeber-Gütesiegel für die Employer Branding Aktivitäten der Unternehmen?

Arne Spiegelhoff:

Beim „Employer Branding“ geht es ja letztlich darum, die eigenen Qualitäten als Arbeitgeber zu schärfen und diese an die Mitarbeiter, genauso wie an potentielle Bewerber effektiv und unabhängig zu kommunizieren.

Der TÜV Rheinland Standard „Ausgezeichneter Arbeitgeber“ ist hier ein sinnvolles Instrument, da im Rahmen eines Audits alle Prozesse des Personalwesens durchleuchtet und Verbesserungspotentiale aufgezeigt werden. Die Unternehmen erhalten so wertvolle Hinweise wie Sie Ihre Arbeitgebermarke weiter optimieren und Ihr Personalwesen stetig verbessern können. Weiterhin haben die Unternehmen – bei erfolgreicher Zertifizierung durch TÜV Rheinland – über unser Prüfzeichen die Möglichkeit Ihre Arbeitgebermarke unabhängig nach außen zu transportieren.

 

Florian: Meiner vielleicht naiven Vorstellung nach prüft TÜV Rheinland nur von einer Dritten Instanz festgelegte technische Anforderungen und ISO-Zertifizierungen. Was war die Motivation, ein Arbeitgeber-Gütesiegel zu starten?

Arne Spiegelhoff:

Dies ist keine naive Vorstellung und auch völlig richtig. Unser Fokus liegt auf der Prüfung akkreditierter Normen, wie den von dir angesprochenen ISO-Standards. Zusätzlich entwickeln wir in einzelnen Bereichen punktuell eigene Standards. Dies betrifft allerdings nur Themenfelder in denen keine entsprechende ISO Zertifizierung existiert.

In Bezug auf den „Ausgezeichneten Arbeitgeber“ war das treibende Thema der stetig zunehmende Fachkräftemangel, der insbesondere mittelständische Unternehmen – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – betrifft. Diesen Unternehmen geben wir über unseren Standard ein Instrument an die Hand um Ihr Personalwesen solide aufzustellen und zugleich unabhängig darüber zu kommunizieren.

 

Florian: Gibt es nicht schon genügend Arbeitgeber-Gütesiegel am Markt? Was ist am TÜV Rheinland-Siegel anders?

Arne Spiegelhoff:

Interessanterweise haben wir in den Gesprächen mit unseren Kunden – trotz anderer, bereits bestehender Siegel – den klaren Bedarf nach einer unabhängigen und tiefgreifenden Prüfung festgestellt. Ohne zu sehr auf die Ansätze unserer Marktbegleiter eingehen zu wollen, setzen wir an dieser Stelle vor allem durch den Standard selbst Akzente.

Die Prüfmethodik orientiert sich rein an der Erfüllung der Anforderungen des Standards und zieht keinerlei Vergleiche oder Befragungen heran. Dies bedeutet, dass ein Unternehmen im Rahmen eines Audits der Personalabteilung und der anschließenden Validierung mit den Mitarbeitern einen hohen Abdeckungsgrad darlegen muss, um erfolgreich zertifiziert zu werden.

Weiterhin haben wir mit dem „Ausgezeichneten Arbeitgeber“ einen modularen Ansatz verfolgt. Der Standard umfasst ein Grundmodul, das alle Prozesse des Personalmanagements adressiert. Zusätzlich können Unternehmen optionale Module wählen, die eine vertiefende Prüfung spezieller Aspekte, wie beispielsweise zum Thema Elternfreundlichkeit oder Gesundheitsmanagement, ermöglichen. Die Methodik der prozessorientierten Prüfung zieht sich hierbei konsistent sowohl durch das verpflichtende Grundmodul als auch durch die Zusatzmodule.

 

Florian: TÜV Rheinland verfügt sicherlich über eine umfangreiche Prüfkompetenz. Aber woher stammt das Wissen rund um Personal und Employer Branding, das für die Ausarbeitung der Anforderungen an das Arbeitgeber-Gütesiegel notwendig ist?

Arne Spiegelhoff:

Im Rahmen der Entwicklung des Standards haben wir – insbesondere im Kontext der Zusatzmodule – mit unterschiedlichen Kooperationspartnern, wissenschaftlichen Institutionen und Kompetenzträgern zusammengearbeitet. Weiterhin haben wir im TÜV Rheinland Konzern viele Know-How Träger im Bereich Personalmanagement, beispielhaft seien hier unsere Kollegen der TÜV Rheinland Akademie, der TÜV Rheinland Consulting und nicht zuletzt unsere Auditoren genannt, die hier ebenfalls sehr spezifisches Know-How einbringen konnten. Durch ein spezielles Arbeitgeberaudit für die Zielgruppe Ingenieure – welches wir bereits vor einigen Jahren gemeinsam mit den VDI-Nachrichten erfolgreich am Markt etabliert haben – konnten wir zudem auch die Erfahrungen aus verschiedenen Audits in den Standard einfließen lassen.

 

Florian: Employer Branding ist ein vielversprechendes und gleichzeitig auch forderndes Thema für Unternehmen. Was macht einen guten Arbeitgeber aus?

Arne Spiegelhoff:

Aus unserer Sicht geht es in erster Linie einmal um solide Personalarbeit sowie einen fairen und offenen Umgang mit den Mitarbeitern: Prozesse sollten klar dokumentiert und gelebt werden, die Unternehmensstrategie und das zugehörige Leitbild den Arbeitnehmer in den Mittelpunkt stellen und entsprechende Werte vermitteln. Die Mitarbeiter selbst sollten sich während Ihrer Zeit im Unternehmen auf die Strukturen des Personalwesens verlassen können und sich begleitet fühlen. Dies fängt bei einer strukturierten Einarbeitung an, setzt sich über ein angemessenes und transparentes Vergütungssystem sowie eine individuelle Laufbahn/ Entwicklungsplanung fort und schließt letztlich mit einem koordinierten Unternehmensaustritt ab, um nur einige wenige Punkte exemplarisch zu nennen.

 

Florian: Wie genau funktioniert die Zertifizierung? Gibt es eine Mitarbeiter-Umfrage oder ein Ranking?

Arne Spiegelhoff:

Weder noch, wir haben auf beide Instrumente bewusst verzichtet und verfolgen hier den bereits erläuterten Ansatz eines Vor-Ort Audits des Personalwesens. Der Standard fordert selbstverständlich die regelmäßige Erhebung des Mitarbeiterfeedbacks und prüft hieraus abgeleitete Aktivitäten, zwingt Unternehmen aber nicht eigens zum Zwecke der Zertifizierung eine separate Befragung durchzuführen. Den Ranking Ansatz halten wir generell für schwierig, da hier häufig Äpfel mit Birnen verglichen werden und ein sehr großes Mengengerüst vorhanden sein muss, um valide Aussagen zu treffen.

 

Florian: Welche Zertifizierungs-Module gibt es? Welche Unternehmen sprecht Ihr an?

Arne Spiegelhoff:

Das verpflichtende Grundmodul umfasst neun Kategorien, welche dieAAG Grundlagen für ein wirksames Personalmanagement bilden. Weiterhin bieten wir im Rahmen der Zusatzmodule eine vertiefende Prüfung in den Bereichen Elternfreundlichkeit, Digitaler Arbeitsschutz, aktives Gesundheitsmanagement, Lebensphasenorientierung und Fit für ausländische Fachkräfte an. Die Zusatzmodule eignen sich übrigens auch sehr gut um Anregungen in den entsprechenden Bereichen zu erhalten und können auch angewandt werden, wenn eine Zertifizierungsreife hier noch nicht vollumfänglich vorhanden ist.

Der Standard hat letztlich Gültigkeit für alle Branchen und Unternehmen aller Größen. Die Aufwände für die Zertifizierung leiten sich direkt aus der Zeit, die ein Auditor für die Prüfung benötigt, ab. Diese wiederum korreliert mit der Unternehmensgröße und ggf. der Anzahl der Standorte. Darüber hinaus sehen wir die größten Potentiale im Mittelstand, da gerade die „Hidden Champions“ der deutschen Wirtschaft häufig über keine besonders bekannte und strahlende Marke verfügen.

 

Florian: Was sind Eure Pläne für das 2014?

Arne Spiegelhoff:

Wir möchten den Standard erfolgreich am Markt etablieren und Mehrwert für unsere Kunden generieren. Aus Marketinggesichtspunkten werden wir auf den großen Personalmessen (Personal Nord, Personal Süd und Zukunft Personal) vertreten sein und hier auch über den ein oder anderen Vortrag Einblicke in unser Produkt geben. Weiterhin planen wir noch einige Aktivitäten im Bereich Social Media und werden zertifizierte Unternehmen mit einem After-Sales Programm unterstützen. Hier möchte ich aber aktuell noch nicht zu viel verraten.

 

Florian: Vielen Dank für das interessante Gespräch und einen guten Start.

2 Comments

  • […] Interview zum neuen Arbeitgeber-Gütesiegel von TÜV Rheinland […]

  • Hallo lieber Florian,

    vielen Dank für deinen super Beitrag! Durch die Einführung dieses Gütesiegels kann man als Arbeitgeber erkennen wie viel Qualität das Unternehmen als Arbeitgeber aufweist. Das ist klasse! Durch ein Gütesiegel heraus zu stechen ist wichtig, aber auch die Arbeitnehmer- oder Kundenzufriedenheit auf der eigenen Seite sollte nicht zu kurz kommen! Glaubst du nicht? Dann schau doch auf https://kundentests.com/guetesiegel vorbei und mach dir selbst ein Bild davon. Über ein Feedback von dir freuen wir uns sehr!

    Viele Grüße

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